Axel Ressler / Tom Liwa – Es geht sich aus (2022, DIY)

Nach “6/8 Rot” von Anfang 2021 bringt Tom Liwa mit „Es geht sich aus“ sein zweites Album mit von ihm vertonten Texten des Lyrikers Axel Ressler heraus.

Und es knüpft nahtlos an der Stärke des Vorgängers an. Eingeleitet vom akustischen und ruhigen, verspielten und melancholischen „Sophias Tod“ folgen neun weitere, abwechslungsreiche aber zumeist sehr ruhige Stücke. „Jongliert“ erstrahlt in bedeutungsschwangerem, reduzierten Postrock. Eingespielte Gesprächsaufnahmen, spärliche und doch irgendwie manische Perkussionen, ein stoisch vor sich hinwummernder Bass und das Ganze ergänzt durch eine zwischen eher zerfasertem Postrock und bluesigen Tönen changierender E-Gitarre. Hatte ich bedeutungsschwanger geschrieben? Das ist ganz und gar nicht negative gemeint, denn das Stück hat genau die Schwere, die es benötigt, ist nicht aufdringlich, sondern subtil und einfach nur sehr spannend und ergreifend.

Direkt im Anschluss gibt es dann reduzierten Bluesrock mit schöner Schwurbelorgel. So wird die Geschichte von “Karl und Carla” zu einer Erzählung untermalt, von wunderbaren Bluesrockklängen im Hintergrund, die dank der Orgel auch schön psychedelisch abhebt. Wenn dann zum Schluss die Streicher einsetzen, hebt es noch einmal eine Stufe Richtung Soundtrack ab. Was man nicht alles in nur viereinahlb Minuten wunderbarer Musik einbauen kann.

Mit “Bedankt” geht es dann wieder etwas mehr Richtung Alternative. Zumindest was die effektvoll eingesetzten, einfachen Gitarrenfiguren betrifft. Durch die wieder schön daher schwebende Orgel und unterstützt durch perkussive Geräusche gibt es einen schönen psychedelischen Sound oben drauf. Auch ein an sich sehr einfach gehaltenes Stück, das durch wenige Effekte und eben diese Reduktion auf das Nötigste erst seine Größe gewinnt. „Caro – X“ behält den Sound bei, ist aber rockiger und schneller. Und die wunderbaren Orgel und Gitarrensounds erinnern mich wunderbar an die Paisleyrock- oder Neopsychedelia-Band The Rain Parade mit ihren ganz frühen Meisterwerken.

Auch mit „Die nächste Stimmung“ geht es dann rockiger weiter. Allerdings ist dieses Stück tatsächlich auf einige wenige Perkussionen und darüber liegenden, sehr spannenden Gitarrenriffs und Pickings reduziert. Auch erinnert es an reduzierten Psychedelic-Rock, verquickt mit einer großen Prise Blues. Es braucht halt nicht viel, wenn der Song an sich gut ist.

Auch die restlichen drei Stücke bewegen sich im beschriebenen Umfeld und danach ist das viel zu kurze Album dann leider vorbei.

Wie eingangs geschrieben, schließt das Album nahtlos an den Vorgänger an und steht diesem nichts, aber auch gar nichts nach. Ganz im Gegenteil, gefällt mir die Umsetzung sogar noch ein wenig besser als der erste Teil und dementsprechend kann ich euch dieses Album nur wärmstens empfehlen!

Zu bekommen ist das gute Stück über die Künstlerseite und http://www.lollipopshop.de/.

4.7