Art Against Agony – Sound of Inevitability (DIY, 15.12.2023)

Mit den letzten beiden, hier besprochenen Veröffentlichungen „Shiva Appreciation Society“ (2018) und „Reincarnation Suite“ (2021) haben mich die Stuttgarter Art Against Agony ziemlich beeindruckt. Mit seinem neuen Album „Sound Of Inevitability“ schießt das anonym auftretende Künstlerkollektiv, zu dem auch Videofilmer, Fotografen und Grafiker gehören, den Vogel vollends ab. Denn es ist nicht nur ein einfaches, sondern gleich ein Doppelalbum auf zwei CDs mit über 100 Minuten Musik geworden.

Genügend Platz also, um sich mit seiner Instrumentalmusik ordentlich auszutoben. Während man sonst modernen, progressiven Metal mit Jazz paart, hat auch der Elektronikausflug mit der EP „джаз умер“ seine Spuren auf „Sound Of Inevitability“ hinterlassen. „Salience Bias“ ist so ein düsteres Exemplar das zeigt, dass Art Against Agony auch anders können. Das auf der EP verwurstete „Squirrel On A Stick“ hat man durch den Wolf gedreht und es klingt wie eine Art Industrial-Jazz. Verrückt.

Aber dieser Wahnsinn passt gibt ins Bild, welches man sonst auf dem Album verbreitet, das ich durchaus als kunstvollen, spielerisch beeindruckenden Irrsinn bezeichnen würde. Bei einem Stück wie „At The Dejentist“ weiß man auch gleich was man bekommt. Das darf auch mal wehtun, wenn mit diebischer Freude tonal gebohrt wird. Dem gegenüber steht ein ruhig perlendes Stück wie „Honey Cake Whorse“, welches eher wie ein Sonntagstee im Jazz-Café klingt. Aber am meisten machen Art Against Agony immer noch Spaß, wenn sie sich mit viel Groove und Spiellaune in die eigenen Stücke fallen lassen und selbst einen Act wie Panzerballett alt aussehen lassen. Die wirbelnden Prog-Kaskenden von „Orange“, „Slightly Oy“, „9“ Smack“ oder das nach Dream Theater in extrem klingende „Indo-German Cuisine“ machen wahnsinnig Freude.

Ein Plus an Magie erfährt der Sound des Kollektivs auf der zweiten CD, wenn es von der klassisch ausgebildeten Querflötistin Aralee Dorough, die sonst für das renommierte Houston Symphony zum Instrument greift, unterstützt wird. Das anfangs noch angenehm smoothe „Hindsight“ sowie die beiden jeweils mehrteiligen Brocken „His Daughter’s Eyes“ und „Alteration, Iteration, Allitaration“ sind allesamt wahnsinnig facettenreich und bieten jede Menge Stoff, in den man sich fallen lassen kann.

Bevor die Veranstaltung mit dem ungewöhnlichem, nach Urlaub klingenden „Island & Exception“ endet, hat man glücklicherweise noch die vormals als digitale Single veröffentliche „WITSKM“ mit aufs Album gepackt. Die einzige Gesangsnummer von Art Against Agony und dazu auch noch eine recht ungewöhnliche und spannende.

Am Ende fühlt man sich von der Fülle an Musik regelrecht erschlagen, aber auch recht glücklich. Gelungenes Teil, das mit einem tollen Booklet mit vielen Bildwerken und Erläuterungen zu den einzelnen Stücken zum Studieren einlädt!

 

CD 1:
1. Sound of Inevitability
2. Slightly Ov
3. She Who Thirsts
4. At the Djentist
5. Honey Cake Whorse
6. Salience Bias
7. Squirrel (Бабник edit)
8. Fitches Brew
9. 9″ Smack
10. Orange

CD 2:
1. Hindsight
2. His Daughter’s Eyes Pt. I
3. His Daughter’s Eyes Pt. II
4. Alteration, Iteration, Alliteration Pt. I: Ahkrast Korvalain
5. Alteration, Iteration, Alliteration Pt. II: Kurald Galain
6. Alteration, Iteration, Alliteration Pt. III: Omtose Phellack
7. Indo-German Cuisine
8. WITSKM
9. WITSKM (instrumental)
10. Island & Exception

 

4.2