Art Against Agony – Reincarnation Suite [EP] / WITSKM [Single] (Vault Records, 06.08.2021)

Die im Raum Stuttgart beheimateten Art Against Agony sind keine normale Band. Viel mehr ein Kunstprojekt, ein Kollektiv zu dem neben Musikern auch Videofilmer, Fotografen und Grafikern gehören. Deswegen bewegt man sich auch nicht nur im „normalen“ Livegeschehen, sondern tritt auch im Rahmen von experimentellen Ausstellungen auf, beschäftigte sich mit Performance Art oder auch Videokunst. Um dabei nicht vom künstlerischen Akt abzulenken ist man komplett anonym unterwegs und trägt stets Maske. So ungewöhnlich wie interessant.

Wir konzentrieren uns allerdings alleine auf den Audioaspekt.

Vor knapp drei Jahren lag mir das letzte Mal eine Veröffentlichung von Art Against Agony vor. „Shiva Appreciation Society“ hatte mich durchaus beeindruckt. Der rein instrumentale, progressive, Metal-lastige Sound hatte was in das man sich tief reinknien konnte. Und genau das setzt die Gruppe mit „Reincarnation Suite“ fort. Eine rund halbstünde EP mit sieben ineinander fließenden Abschnitten, deren musikalischer Zusammenhalt das Thema Reinkarnation ist.

Umgesetzt wird das Ganze ziemlich packend in einer Art freigeistigem Jazz-Metal. Wo Panzerballet fast noch geradlinig und geschmeidig klingen, stürzen sich Art Against Agony erst recht in den eigenen Sound. Mal nervös tuckernd, dann sehr auf Groove bedacht, mal recht perkussiv, dann sogar mal regelrecht rockig und straight – am Ende aber stets doch nicht ohne vertrackte Rhythmus- und Dynamikwechsel. Und immer wieder ausgeflippt mit jazzigem Hang. Hier bedient man sich nicht nur einmal dem Saxophon-Spiel von Mars Williams. Und mit Gitarrist Mattias IA Eklundh hat man eine weitere Koryphäe als Gast mit am Bord.

Ergebnis ist ein funkensprühendes, keine Sekunde langweilendes Werk, das genügend Haken und Kanten bietet, um sich daran zu reiben und festzuhalten. Hat was!

Erhältlich ist das gute Stück als LP oder digital über Bandcamp. Wer die Band über Patreon unterstützt, bekommt das gute Stück sogar umsonst nach Hause geliefert.

 

Trackliste:
1. Recreate
2. Differentitate
3. Elaborate
4. Condemn
5. Rejoice
6. Peocreate
7. Dissolve

 

 

Gleichzeitig mit der EP hat man sich mit dem Song „WITSKM – Superior Beast“ an etwas neuem versucht: an einem Stück Musik mit Gesang. Die digital veröffentlichte Single wurde zusammen mit der russischen Sängerin Victoria Grizzley (MNSTGRY) eingespielt. Die Dame legt eine ziemlich düstere und „böse“ Stimmperformance hin, die immer wieder von hellen und lieblich aufblühenden Gitarrenmelodien konterkariert wird, was einen düsteren, faszinierenden Metalsong ergibt. Dabei ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die Versionen mit Stimme und ohne klingen. Beide haben eine komplett unterschiedliche Wirkung.

Ein einmaliges Experiment oder ein neuer Weg für die Zukunft? Auf jeden Fall ein interessanter Farbtupfer im eigenen Kosmos.

 

 

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