Aria – in ihrer Heimat Russland Stars, bei uns eher ein unbeschriebenes Blatt, bzw. nur etwas für echte Insider. Dass es aber auch hier zahlreiche solche gibt, bewies ihr Gig auf dem diesjährigen Keep It True Festival, bei dem die Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde. Es war aber auch ein toller Auftritt. Keine großen Mätzchen, einfach nur tolle Songs, dargeboten von ausgelassenen Musikern, die es sichtlich genossen, auch mal in anderen Breitengraden willkommen geheißen zu werden.

Während der Auftritt in der Tauberfrankenhalle recht übersichtlich war, mietete man im selben Monat eine viel größere Örtlichkeit an, um eine erste abendfüllende DVD aufzuzeichnen. Nämlich das VTB Eisstadion in Moskau. Vorbereitet wurde eine Show der Superlative, welche selbst ihr westliches Pendant Iron Maiden wie eine Schulvorführung aussehen lässt. Vor Ort hatte man eine riesige, dreistöckige Bühne, deren gesamte Breite und Höhe mit LED-Screens versehen war. Alleine der Bildschirm im Hintergrund hatte eine Fläche von 600 Quadratmetern. Über den Köpfen des Publikums schwebte eine heb- und senkbare Schiffsplattform, welche immer wieder zum Einsatz kam. Und die Lightshow kennt man so höchstens von den modernsten TV-Shows hier.

Allein der Anblick des Ganzen ist schon atemberaubend. Dazu kamen zahlreiche Showeinlagen und Kleidungs-/Kostümwechsel, welche jeweils auf die entsprechenden Songs abgestimmt waren, welche meist historische Themen behandeln. Okay, aus einem anderen Blickwinkel wirkt manches hin und wieder doch etwas kitschig und überzogen (Kreuzigung mitten in der Halle schwebend, danach eine akrobatische Einlage á la Helene Fischer). Es ist aber zweifellos unterhaltsam, sich das Ganze anzuschauen.

Aber auch die Musik dazu gefällt. Hymnischer, traditioneller Metal mit epischer Note, vorgetragen von fünf bodenständig wirkenden Musikern, welche bis auf Sänger Mikhail Zhitnyakov und Bassist Vitaly Dubinin etwas in den Kulissen verloren wirken. Warum man Aria immer wieder mit den eisernen Jungfrauen vergleicht, wird auch schnell klar, ist aber keinesfalls ein Manko. Der hervorragende, russische Gesang sorgt für einen leichten Hauch Exotik.

Ansonsten sind kaum Unterschiede zu einem Konzert in unseren Sphären auszumachen. Der Russe scheint genauso unter der „Smartphoneritits“ zu leiden wie der Westeuropäer. Man trägt genauso gerne Bandshirts, dafür brüllt man noch etwas lauter seine Begeisterung heraus. Viele scheine aber von der Show geplättet zu sein, die wie ein Familienhappening wirkt, wenn die Kamera ihren Blick ins Auditorium schwenken lässt.

Die Bildqualität bringt das Geboten adäquat rüber und auch der Sound lässt keine Wünsche übrig. Am Ende ist „Гость из царства теней (Guest From The Shadow Kingdom)” eine ziemlich runde Sache geworden und durchaus ein interessanter Einstieg in die lange Historie von Aria. Bestellen kann man das Ganze als DVD/2-CD-Kombination auf der Webseite der Band. Die Musik selbst findet man auch bei Apple, Spotify & Co.

Trackliste:
1. Race For Glory (Гонка за славой)
2. Kill The Dragon (Убить дракона)
3. Hero Of Asphalt (Герой асфальта)
4. Era Of Lucifer (Эра Люцифера)
5. The Curse Of The Seas (Проклятье морей)
6. Colosseum (Колизей)
7. Baptism By Fire (Крещение огнём)
8. Varyag (Варяг)
9. Point Of No Return (Точка невозврата)
10. Let It Be (Пусть будет так)
11. The Calm (Штиль)
12. Executioner (Палач)
13. Antichrist (Антихрист)
14. Deception (Обман)
15. The Sky Will Find You (Небо тебя найдёт)
16. Night Shorter Than Day (Ночь короче дня)
17. Torero (Тореро)
18. Street Of Roses (Улица роз)

Aria - Гость из царства теней [Guest From The Shadow Kingdom] (M2BA, 27.09.2019)
4.5Gesamtwertung