Eigentlich wollte das russische Metal-Flagschiff Aria dieses Jahr ihr 35-jähriges Bestehen mit einer groß angelegten Tour feiern. Daraus wurde aus bekannten Gründen leider nichts. Dafür beschäftigte man sich mit einem anderen Projekt, welches man schon länger vor sich her schob: der Wiederveröffentlichung der beiden Alben „Baptism Of Fire (Крещение огнём)“ und „Armageddon (Армагеддон)“ aus dem Jahr 2003 bzw. 2006, die einzigen Veröffentlichungen mit Sänger Arthur Berkut, bevor der aktuelle, äußerst sympathische Frontmann Mikhail Zhitnyakov das Ruder 2011 übernahm.

Aus rechtlichen Problemen konnten die beiden Platten nicht einfach neu aufgelegt und in digitaler Form veröffentlicht werden. Also machte man aus der Not und der dieses Jahr zur Verfügung stehenden Zeit eine Tugend und spielte sie kurzerhand in der aktuellen Besetzung neu ein und fügte den je neun ursprünglichen Tracks einen zehnten hinzu. Damit erstrahlen die alten Werke in neuer Pracht. Leider sind mir die Originale nicht bekannt und mir ein Vergleich somit nicht möglich. Aber trotzdem möchte ich das Gehörte Revue passieren lassen.

 

Die Songs von „Baptism Of Fire (Крещение огнём)“ sind mittlerweile 17 Jahre alt und bieten Aria in Reinkultur. Das heißt: traditioneller, von der Iron-Maiden-Schule geprägter Metal mit großem Hymnenfaktor, gerne auch mal etwas typisch russisch theatralisch, aber in der Regel dann doch immer angenehm bodenständig. Gerade die erste Hälfte des Albums ist großes Kino.

„Patriot (Патриот)“ rollt ohne Umwege nach vorne und gibt einen mitreißenden Opener wie im Lehrbuch ab. Der folgende Titeltrack schmiegt sich noch etwas weiter an das britische Vorbild, bevor mit „Coliseum (Колизей)“ ein angenehm rockiger Swing hinzuaddiert wird. Auch ein großes, überlanges Epos muss sein. Jenes hört auf den Namen „Executioner (Палач)“ und bietet den ganzen in diesem Stil machbaren Bombast auf, ohne im Symphonic-Kitsch zu ertrinken. Wirklich stark.

Damit wäre das komplette Terrain abgesteckt, in dem sich Aria tummeln. In der zweiten Hälfte machen sich verstärkt balladeske Anklänge bemerkbar und die Begeisterung flacht insbesondere mit dem etwas unausgegoren wirkenden „White Flag (Белый флаг)“ und dem recht austauschbar bis langweiligem „Prince of Darkness’s Ball (Бал у князя тьмы)“ ein ganzes Stück ab.

Aber trotzdem bleibt „Baptism Of Fire (Крещение огнём)“ am Ende einfach ein wirklich gutes bis unheimlich mitreißendes Heavy-Metal-Album, welches gerne neu entdeckt werden kann!

 

Trackliste:
1. Patriot (Патриот)
2. Baptism by Fire (Крещение огнем)
3. Coliseum (Колизей)
4. Executioner (Палач)
5. Your New World (Твой новый мир)
6. There Up High (Там высоко)
7. White Flag (Белый флаг)
8. Battle (Битва)
9. Prince of Darkness’s Ball (Бал у князя тьмы)
10. Battle Field (Поле битвы (бонус трек)

 

„Armageddon (Армагеддон)“ schlägt dagegen einen etwas anderen Ton an. Es ist wesentlich trockener produziert, die Songs selbst klingen besonders durch das härtere für 2006 zeitgemäßere Riffing moderner. Das geht damit auch leider etwas auf Kosten der Zeitlosigkeit, welche das Vorgängeralbum noch auszeichnete.

Der Eröffnungstitel „Last Sunset (Последний закат)“ suhlt sich ganz im aktualisierten Sound. Und leider entpuppt er sich nicht als besonders packend. Also nicht der beste Start. „Marked by Evil (Меченый злом)“ wirkt da schon wesentlich besser, da man nicht vergessen hat einen typischen, großen Refrain einzubauen. Jenes gerät auf diesem Album leider etwas ins Hintertreffen, was die Sache etwas sperrig wirken lässt. Gerade die überlange Epic-Nummer „The Blood of Kings (Кровь королей)“ könnte ein Stücks mehr Power vertragen.

Aber trotzdem steckt immer noch einiges an Aria drin und mit dem bandtypischen „Viking (Викинг)“ hat man auch einen echten Hit mit an Bord, der die Kohlen aus dem Feuer holt. Der Vorgänger hatte davon aber einiges mehr zu bieten, auch wenn „Armageddon (Армагеддон)“ kein wirklich schlechtes Album ist. Aber eben sicher auch kein Klassiker im Katalog der Russen.

 

Trackliste:
1. Last Sunset (Последний закат)
2. Marked by Evil (Меченый злом)
3. Guardian of the Empire (Страж империи)
4. The New Crusade (Новый крестовый поход)
5. Messiah (Мессия)
6. The Blood of Kings (Кровь королей)
7. Viking (Викинг)
8. Alien (Чужой)
9. The Light of Bygone Love (Свет былой любви)
10. Your Day (На крыльях ветра)

 

Insgesamt schön, dass man ein Stück osteuropäischer Metalgeschichte wieder verfügbar gemacht hat. Besonders im Fall von „Baptism Of Fire (Крещение огнём)“, an welchem der Zahn der Zeit noch nicht nagt. Wer ein Herz für traditionellen Stahl mit leicht exotischer Note (mit der Sprache müssen westlich geprägte Ohren schließlich erst klarkommen!) hat, macht hier nix verkehrt.