Poppig angehauchter emotionaler Punkrock, geht das eigentlich wirklich?

Na klar, wieso denn auch nicht… Bands wie die Alex Mofa Gang oder Knallfrosch Elektro gehen ja in eine ähnliche Richtung – da können die Bremer von ANNE.FUER.SICH doch bitte locker mit auf den Zug aufspringen.

Wobei „aufspringen“ ja immer wie eine langweilige bzw. doofe Kopie klingt! Aber das kann ich direkt mal verneinen, denn die Jungs haben hier ihren ganz eigenen Stil entwickelt, den sie nun mit ihrem Debut-Album „ANNE.FUER.SICH“ ab Freitag zum Besten geben werden.

Erst vor zwei Jahren haben sich Marian (Gesang), Sören & Eddy (Gitarre), Manuel (Bass & Shouts) und Henning (Drums) zusammen getan und die Jungs hatten damals schon die Vorstellung, dass sie anders sein wollten – anders als die klischeebehafteten Standard-Deutschrock-Typen, die zwar den Mainstream geil finden und sich im Erfolg suhlen, aber dafür Herz und Leidenschaft vermissen lassen.

Und genau das kann man den Bremern nämlich nicht vorwerfen! Hier merkt man bei jeder Nummer, dass die Fünf mit Herzblut und voller Energie bei der Sache waren/sind und direkt einmal 14 Songs kreiert haben, die sich nicht verstecken müssen und der Band somit einen festen Platz in der Rock- und Punk-Szene bringen könnten.

Besonders interessant ist hierbei die Mischung aus Marian`s melodiösem Gesang und  den punktuell eingesetzten Shouts von Basser Manuel… sowas muss man sich auch erstmal trauen – das Experiment ist aber meiner Meinung nach sehr gut gelungen!

Vom rockig rotzigen Opener „Jeder gegen Jeden“, über den Titelsong „ANNE.FUER.SICH“ der direkt ohne Pause den Kampf aufnimmt und mich musikalisch an meine Freunde von Keele erinnert, geht es dann in die „Betty Ford“ Klinik – denn wir feiern die Partys wie sie fallen… hoch die Tassen, solange es noch geht!

Wollten ANNE.FUER.SICH bei der ersten Single-Auskopplung „Elaine“ noch „… tanzen, solange sich die Welt noch dreht“ – so düster und endzeitlich kommen zwar nicht alle, aber doch schon einige Songs rüber. Die Jungs treffen genau die richtigen Töne zur richtigen Zeit, denn bassig treiben dann die bösen und fiesen „Geister“ ihr Unwesen… lasst uns alle ein Mittel bzw. einen Weg gegen sie finden!

Jemand Lust auf ein „Trinkspiel“ zwischendurch… so unter Freunden – ähhh, sind wir das eigentlich wirklich… also Freude… also noch immer? Nun ja, dann erstmal Prost!

Und auch wenn wir uns nicht mehr wiedererkennen, das „Feindbild“ haben wir immer im Auge… denn jede Pest hat ja bekanntlich seine Zeit.

Ach ja, dann waren da ja noch diese „Tragische Figuren“, die auf ein wenig Ruhm und das schnelle Geld hoffen –  genau diese Leute sind es, die tiefer fallen als es uns allen lieb ist und sich dann direkt so schön im Wind drehen, wie es der Erfolg dann – doch leider nicht – zu erwarten verspricht! Überhaupt legen die Bremer großen Wert darauf, in ihrer eigenen Art und Weise die Unzulänglichkeiten der heutigen Zeit zum Thema zu machen und dann vielleicht einen gemeinsamen Weg aus der Misere zu finden.

Richtig rockig wird es dann nach dem von Marie und der Liebe getragenen „230 Grad“ bei „Wolfsmensch“ – der Nummer wo Marian gemeinsam mit Jennifer Bothe, die sich normalerweise als Frontfrau von We Are Riot präsentiert, im Duett den Ton angibt… coole Rocknummer übrigens!

Der Sprung“… nämlich „Runter vom Dach“ schließt dann das Debut-Album gekonnt ab – und auch wenn die erste der beiden Nummern noch so schön sanft und entspannt rüber kommt, der finale Song gibt nochmal alles. Hier werden Gitarren-Frickeleien und Solis groß geschrieben… aber auch damit kriegt man uns nicht „Runter vom Dach“ – falls doch, dann achtet auf den Aufprall… der kann schmerzhafter ausfallen als einem lieb ist!

Besonders die Wechsel zwischen frickeligen Rock-Nummern und verspielten, aber dennoch derben Punkrock-Songs macht die Musik von ANNE.FUER.SICH so interessant und abwechslungsreich und ich denke, dass wir den fünf Jungs – ohne jetzt groß den Propheten raushängen zu lassen – eine durchaus interessante, spannende und bestimmt auch erfolgreiche Zukunft voraussagen können.

Ach so, noch etwas… der Stinkefinger auf dem Cover geht übrigens an alle Faschisten & Rassisten dieser Welt – habe ich mir gerade mal so überlegt! 😉

 

Titel:
1. Jeder gegen Jeden (Prelude)
2. ANNE.FUER.SICH
3. Betty Ford
4. Elaine
5. Geister
6. Menage zu dritt
7. Trinkspiel
8. Zucker + Eisen
9. Feindbild
10. Tragische Figuren
11. 230 Grad
12. Wolfmensch (feat. Jennifer Bothe)
13. Der Sprung
14. Runter vom Dach

 

Hier schnell noch die ANNE.FUER.SICH Tourdaten:

04.05.2018 Bremen − Record Release Party (Zollkantine)
05.05.2018 Bremervörde − Rockstadl (Industriehalle)
15.06.2018 Weyhe − Aufmucken Gegen Rechts
30.06.-01.07.2018 Schwedt an der Oder − P.O.T.Y. Festival
28.07.2018 Goldenstedt − Afdreiht Un Buten Festival
25.08.2018 Stuhr − S.O.A. Festival

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ANNE.FUER.SICH – ANNE.FUER.SICH (Motor Entertainment, 04.05.2018)
4.5Gesamtwertung