Da sind sie wieder, meine Lieblingsfinnen. Seit der Veröffentlichung des Jahrhundertalbums „Tales From The Thousand Lakes“ im Jahr 1994, warte ich eigentlich schon fast immer sehnsüchtig auf das hoffentlich bald folgende neue Amorphis Album und auf neue Geschichten aus der finnischen Folklore. Enttäuscht worden bin ich von den Finnen nie, musikalische Veränderungen wurden immer sorgsam in den Bandsound integriert und selbst der Sängerwechsel vor 12 Jahren kam für die Band genau zum richtigen Zeitpunkt. Es gibt im harten Metal wohl kaum eine Band, deren Entwicklung so stringent verlaufen ist wie bei Amorphis.

„Queen Of Time“ heißt das neue Album, und auch hier gibt es wieder Qualitiätsmusik der Güteklasse 1A. Nach dem letzten Album „Under The Red Cloud“ hatte ich eigentlich erwartet das die Musik der Finnen wieder in härtere Gefilde driftet. Offensichtlich habe ich mich hier getäuscht. In den letzten Jahren wurde der Amorphis Bandsound immer aus der gelungenen Balance von Rock, Folk und Metal geprägt. Das ist noch immer so, nur hat sich der musikalische Fokus etwas mehr in Richtung Rock gedreht, und trotzdem stimmt die Balance der musikalischen Elemente noch immer. Esa Holopainen scheint ein Händchen für Ausgewogenheit zu haben.

Zu den musikalischen Zutaten für „Queen Of Time“ gehören auch weibliche Vocals und die Töne eines Orchesters, beide neuen Elemente wurden so vorsichtig und auch harmonischen in den bekannte Mixtur eingebracht, dass sich ein Vergleich mit dem oft überladenen Symphonic Metal komplett verbietet.

Mit weiblichem Gesang steigt die Band dann auch direkt in den ersten Song ein. Tomi Joutsen muss sich ein paar Takte gedulden, bevor er in „The Bee“ einsteigen kann. Das macht er dann aber auch gewaltig. Seine Stimme zerlegt die feinen Melodien, welche auch wieder mit orientalischen Elementen spielen.
Ganz groß wird der Song, sobald Joutsen in den Klargesang wechselt und die vorher zerlegten Melodien wieder hinter sich versammelt.

„Message in The Amber“ beginnt mit den typischen Gitarrenlinien welche man von Amorphis kennt und welche halt tief in der Folklore angesiedelt sind. Der Song pendelt zwischen ruhigen und lauten Tönen. „Daughter Of Hate“ hat mit ruhigen Tönen wenig im Sinn, der Song brettert direkt ab den ersten Noten mit höchster Intensität in die Ohrmuscheln.

Ein großes Highlight wartet fast am Ende des Albums auf den Zuhörer. Im Song „Amongst Stars“ gibt es ein Duett mit Anneke van Giersbergen zu hören. Was für eine Kombination. Die glasklare Stimme der Niederländerin trifft auf die vokale Urgewalt von Joutsen, der hier allerdings geschickt zwischen Growls und Klargesang wechselt. Musikalisch ist der Song eher im Rocksektor angesiedelt. Allerdings haben Amorphis hier Melodien für die Ewigkeit geschaffen, nicht nur in diesem Song, sondern auf dem kompletten Album „Queen Of Time“.

Großartig!

1. The Bee
2. Message In The Amber
3. Daughter Of Hate
4. The Golden Elk
5. Wrong Direction
6. Heart Of The Giant
7. We Accursed
8. Grain Of Sand
9. Amongst Stars
10. Pyres On The Coast

http://www.amorphis.net/

Photo credit by Lars Johnson

Amorphis - Queen Of Time (NuclearBlast, 18.05.2018)
4.7Gesamtwertung