Die drei Stooges aus dem Norden haben mit ihrem Screamofratzengeballer, den wohl schönsten DIY-Platten die so rumgeistern und den genial beklopptesten Aktionen (die Veröffentlichung der „Always Wanted War ruinieren die schönsten Lieder aller Zeiten“, Veröffentlichen von Songs auf Diskette und dem Gym-Video zu „Derry“) schon diverse Male für Wirbel gesorgt. Aber die sexuell durchaus ansprechenden jungen Männer aus der norddeutschen Provinz als Kasperköppe abzutun, wäre dann doch zu kurz gedacht.

Das Organisieren von großartigen DIY-Shows, Release von großartigen Platten über das eigene Label „Tief in Marcellos Schuld Records“ und DIY-Touren durch die Staaten sind da nur einige Ausblicke, die zeigen wieviel Herzblut in dem steckt, was hier passiert.

Schon vom Opener „Alone in the Dark 6“ kotzen sich die Drei hier alles aus dem Leib, bleiben dabei aber technisch und vom Sound in gewohntem Fahrwasser. Das ist in diesem Fall auch gut so. Mehr als das. Die Mischung aus Hardcore, Punk und Screamo funktioniert wie Arsch auf Eimer und lässt dich nicht still sitzen.

Der Wechsel zwischen dem keifenden Geschrei von Sänger Dennis Tiedemann und dem relativ klaren und wütendem Gesang, treiben die Songs zusätzlich nach vorne und verpassen wie in „Wherever you may Roam“ noch den Punkstempel, der aber kurzzeitig durch Growls gleich wieder abgekratzt wird. Erster Gedanke: Was hier los!? Zweiter Gedanke: Wie geil ist das denn bitte!?

Das aus einem Hörspiel entnommene Sampel in „Harvest Moon“ mit der sich aufbauenden Stimmung hat mich dann so derbe am Arsch, dass ich den Song gleich mal in sämtliche Playlists aufgenommen habe. Denn unmittelbar nach dem Aufbau der Stimmung reissen die Typen alles so krass wieder ein, um die Stimmung dann aber irgendwann zu halten (selbst mit plötzlich unfassbar groovigem Part mittendrin) und den Abriss mit dem letzten Drittel perfekt zu machen. Lieblingssong! Unfassbar gut!

Mit „Bruchteil“ und „Kufte“ geht es dann wesentlich kompromissloser zur Sache. Da stört es auch nicht, wenn ich an der einen oder anderen Stelle das Gefühl habe, gerade einen Hauch Metal rausgehört zu haben. Der Stilmix funktioniert hier einfach in allen Songs. Ich frage mich immer wieder, wie bei diesem Genregespringe der Aufbau der Stimmung möglich ist, was am Ende aber auch egal ist. Sie kriegen es beim derbsten Geschrei hin, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, die das Gesamtbild abrundet. Geil!

Wer also auf technisch perfekt vorgetragenen, drückenden, stimmungsvollen Sound irgendwo zwischen Emomomenten, Screamo, Hardcore und Punk mag und den Kram dann noch auf schön gemachten Vinyl im Schrank haben möchte, kommt hier gar nicht drumrum. Großartige Platte! Meine Platte des Monats! Kaufemfehlung!

Erscheinen wird das Album übrigens in folgenden Varianten:

500xCD, 500xLP (36x white Vinyl, 77x green vinyl, 187 light blue vinyl, 200x turqouise vinyl)

01

  1. Alone in the Dark 6
  2. Wherever you may Roam
  3. Night Cathedral
  4. Harvest Moon
  5. Bruchteil
  6. Kufte
  7. Black Current
  8. A Bucket Full of Noes
  9. Remembering
  10. Babylon Swing
  11. Same Time, Same Place
  12. Pale Grey

 

Always Wanted War bei Facebook

Tief in Marcellos Schuld Records

Moment of Collapse Records

 

Always Wanted War - st (Tief in Marcellos Schuld / Moments of Collapse, 01.04.2016)
5.0Gesamtwertung