Ihr kennt die Freiberger Alpha Tiger nicht? Kein Problem. Was man bisher über die Truppe wusste kann man nun irgendwie auch vergessen, denn hört man ihr viertes Album zum ersten Mal, denkt man sowieso man hätte es mit einer komplett neuen Band zu tun.

Anfangs fuhr man einen traditionellen Metalsound in der Tradition alter Queensryche und Crimson Glory. Doch das selbstbetitelte „Alpha Tiger“ tönt wie eine interessante Mischung aus gut abgehangenem Powermetal und Classic Rock – abgeschmeckt mit modernden Groove-Riffs und großen Melodiebögen, die auch mal Richtung AOR schielen. Das Auftauchen einer altmodischen Schweineorgel stößt einen dabei nur im ersten Song vor den Kopf. Man findet recht schnell Gefallen daran, wenn dem Instrument des Öfteren ein prominenter Auftritt in den Songs zufällt.

Und hier bekommt man einiges geboten: straighte, kämpferische Songs wie „Singularity“, rustikaler Rock mit überraschenden Flamenco-Elementen („Welcome To Devil’s Town“), Sehnsuchtsvolles („If The Sun Refuses To Shine“), trotzige Hymnen („The Last Encore“), Melodisches wie „Aurora“ oder feinfühlige Songs wie das melancholische „Feather In The Wind“. Dieser Nummer fällt dabei eine Art Schlüsselrolle zu. Wurde sie doch unmittelbar nach dem unvermittelten Ausstieg von Sänger Stephan Dietrich, direkt nach dem Release des letzten Albums „iDentity“ geschrieben und ist dementsprechend emotional ausgefallen.

Etwas, das für die meisten Songs auf der Platte zutrifft. „Alpha Tiger“ ist nämlich eine emotionale Achterbahnfahrt geworden, die einen ziemlich überrascht und auch mitnimmt. Neu-Sänger Benjamin Jaino ist glücklicherweise in der Lage die Texte von Gitarrist und Songschreiber Peter Langforth mit Leben zu füllen. Mit seinem Schmelz in der Stimme lässt er auch die zahlreichen Melodielinien zu einem Genuss werden. „My Dear Old Friend“, „The Last Encore“, das genannte „Feather In The Wind“ und „Singularity“ sind gute Beispiele dafür. Man darf aber nicht vergessen, dass die Songs meist eine gewisse Schwere mit sich tragen, so dass man zwischendurch über einen lockeren Track wie „Welcome To Devil’s Town“ froh ist.

„Alpha Tiger“ ist für mich DIE Überraschung des Sommers. Nicht nur, dass das Album ganz anders als seine Vorgänger klingt. Das Experiment ist äußerst erfolgreich verlaufen und der rustikale Sound, der komplett analog aufgenommen wurde, rundet ein gelungenes Album bestens ab.

Hut ab – auch wenn die Band ein Teil der Metalszene wirklich dafür hassen dürfte!

Trackliste:
1. Road To Vega (2:04)
2. Comatose (5:02)
3. Feather In The Wind (5:37)
4. Singularity (4:18)
5. Aurora (4:52)
6. To Wear A Crown (4:58)
7. Vice (4:38)
8. Welcome To Devil’s Town (5:45)
9. My Dear Old Friend (5:57)
10. If The Sun Refused To Shine (5:50)
11. The Last Encore (4:54)

Alpha Tiger - Alpha Tiger (Steamhammer/SPV, 25.08.2017)
4.3Gesamtwertung