Der Samstag warf schon lange seinen Schatten voraus, sollte es doch einer der wichtigste Tage im Festival-Leben unserer drei Kids werden.

Okay, der „größere“ Handwritten-Nachwuchs hat ja mit seinen elf Jahren mittlerweile durch mehrere Deichbrand Festival-Besuche eine gewisse Routine, unsere beiden „Kleinen“ sollten aber zum ersten Mal ein Festival besuchen dürfen. Neben den obligatorischen Fragen, wie oft man denn wohl noch schlafen müsse bis man endlich zum MÜSSEN ALLE MIT FESTIVAL und zu Madsen fahren würde, über die richtige Kleiderwahl, bis hin zu der wichtigen Frage nach dem Essen auf solchen Festivals und ob man denn neben den Süßkartoffeln zusätzlich noch einen veganen Burger „und vielleicht ja sogar ausnahmsweise mal Fanta haben dürfte“, war alles dabei!

So sollte es also dann am Samstag gegen späteren Nachmittag  – natürlich ausgeschlafen, mit der richtigen Bekleidung und mit dem Versprechen, dass man sich das mit der „Fanta“ noch überlegen werde – in Richtung Stade gehen. Wir hatten uns mit Absicht dazu entschieden die Gigs am frühen Nachmittag noch nicht zu besuchen, sollte der Tag ja auch so schon lang genug werden… und was hätten wir bloß getan, wenn die kleine Partymeute noch vor dem Gig von Madsen in schläfriges Quengeln und Nörgeln verfallen wäre?

So enterten wir also nach gut 1 ½-stündiger Fahrt gegen frühen Abend das Festival-Gelände im Bürgerpark in Stade und dank der ersten eigenen „Bändchen“ ihrer erst kurzen Festival-Geschichte kamen die beiden Kleinen aus dem Staunen kaum noch heraus… große Bühne, viele Menschen, laute Musik – wo war man hier nur hingeraten?

Apropos laute Musik… ein wenig unverständlich, dass zwar auch viele andere Kids auf dem Festival-Gelände unterwegs waren, jedoch fast keines so schicke „Mickey-Mäuse“ wie wir dabei hatte. Leute schützt die Ohren eurer Kinder… lasst euch das von einem mittlerweile dank Jahrzehnte langer Konzert- und Festival-Besuche hörgeschädigten Menschen mal gesagt sein 😉

So, zurück zum MAMF… wie das Festival ja liebevoll abgekürzt wird!

Nachdem Bands wie Lake, Locas in Love, Odd Couple (welche kurzfristig Pollyester vertraten) und Sookee bereits aufgespielt hatten, vollführten bei unserer Ankunft gerade die Damen von Schnipo Schranke ihre Darbietung. Beim Deichbrand noch verpasst, gaben wir uns noch die restlichen 30 Minuten ihres Sets und staunend bzw. doch schon sehr irritiert erlebte der Handwritten-Nachwuchs eine schräge Show mit Fritzi und Daniela… also ich persönlich bin zu alt für sowas – ehrlich, kein Scheiß!

Nichtsdestotrotz wurden die beiden ordentlich abgefeiert und der schon gut gefüllte Bereich vor der Bühne – zum Ende des Abends sollen es sogar insgesamt ca. 2.500 Besucher gewesen sein – tanzte im Kollektiv zu Keyboards, poppigen Gitarrenklängen und zwei Damen in langen Männer-Unterhosen… das muss so, ist halt Kunst!

Nachdem nun die Umbaupause anstand, kümmerten wir uns um unsere kulinarischen Gelüste und zur Feier des Tages gab es dann doch die gewünschte Fanta – schön, wenn man weiß wie man sich selbst manchmal einfach auch mal feiern lassen kann 😉

Kurz darauf ging es dann mit Die Sterne weiter und das Infield vor der Bühne füllte sich zusehends… logisch, denn mit Nummern wie „Universal Tellerwäscher“ oder „Was hat dich bloß so ruiniert“ sind den Mitbegründern der „Hamburger Schule“ damals Songs für die Ewigkeit gelungen.

Auch wenn die Hamburger an sich ja nicht zum Pogen animieren, so gaben Sänger und Gitarrist Frank, Basser Thomas, Schlagzeuger Christoph – übrigens bis auf die Keyboarderin Dyan Valdes, die normalerweise bei The Blood Arm an den Tasten steht, in Original-Besetzung – für ihre Verhältnisse ordentlich Gas und hatten augenscheinlich richtig Spaß auf der Bühne. Nach einer guten Stunde verabschiedeten sich Die Sterne dann und bevor der Headliner des Abends aufspielen sollte, musste schnell noch Nahrung aufgenommen werden… denn man glaubt nicht wie schnell Kinder verhungern können – da macht man sich kein Bild von!

Nach einer ordentlichen Portion Süßkartoffeln – sehr lecker übrigens, ein Lob an den Koch bzw. die Köchin – deren Sauce sich übrigens gut auf Pullis macht ( 😉 ), standen wir dann alle fünf aufgeregt am Eingang des Pressegrabens und harrten der Dinge, die dort in den nächsten 1 ½ Stunden folgen sollten. Kurzerhand wurde der Security-Mitarbeiter gefragt, ob unser „Großer“ nicht vielleicht mit in den Pressegraben darf – da er doch so auf ein persönliches Kennenlernen seiner Lieblingsband gehofft, dieses aber leider nicht geklappt hatte. Dieser nickte das Ganze mit dem Hinweis, dass man nach drei Songs den Pressegraben wieder verlassen müsse, liebenswürdigerweise ab und die Show konnte beginnen.

Und jetzt mal unter uns, wenn jemand von euch ein bewegungsaktives Kind hat, dann kann ich nur jedem raten es einmal direkt vor seine Lieblingsband zu postieren… ich glaube der Gute hat sich während der drei Songs keinen Millimeter von seiner Ursprungs-Position wegbewegt, geschweige denn es überhaupt gewagt zu atmen 😀

Schon ab der ersten Minute merkte man übrigens, dass die Jungs von Madsen richtig Bock hatten zu spielen… und das nicht alleine, weil es der letzte Auftritt des Jahres für die Wendländer sein sollte – konzentrieren sie sich doch ab jetzt auf ihr neues Album, welches demnächst erscheinen wird.

Zwischendurch klärte uns Sebastian darüber auf, dass sie bis kurz vor dem Gig noch ordentlich in den Seilen gehangen hätten, da sie sich am Vortag in Karlsruhe wohl ordentlich die „Lampen ausgeschossen“ hatten – wovon aber mal sowas von gar nichts zu merken war.

Jeder Song wurde kategorisch abgefeiert, es wurde Vollgas gegeben und selbst Sascha bewegte sich für einen Song in lustigen Ringelsocken vom Schlagzeug an das Micro und zelebrierte wild tanzend „Die Perfektion“.

Schön war auch wieder das Gesangsduett von Sebastian und Lisa Who, die mit „So cool bist du nicht“ kollektive Gänsehaut brachten und in Gedenken an Chris Cornell stimmten Madsen dann sogar „Black Hole Sun“ an – ein bewegender Moment, da darf man dann auch schon mal zweimal schlucken!

Ach so, wie ging es eigentlich unseren Kleenen währenddessen?

… schön das ihr fragt, denn die drei waren komplett geflasht und saugten jede einzelne Sekunde ein. Jeder Titel wurde gespeichert, jede Textzeile im Kopf mitgesungen – der Abend war einfach „Die Perfektion“!

Nach gut einer Stunde sollte es dann aber schon vorbei sein! Nee, nicht wirklich… denn nach einer kurz angedeuteten Pause ging es mit Vollgas weiter und Johannes, Lisa, Sebastian, Sascha und Niko verschossen ihr – nach der langen Festival-Saison trotzdem immer noch vorhandenes – Pulver, bevor der Abend um Punkt 23:00 Uhr sein Ende finden musste.

Ich persönlich habe die Madsens in den letzten Jahren häufiger – besonders auf größeren Bühnen – gesehen, muss aber sagen, dass sie mir hier in Stade vor rund 2.500 Besuchern beinahe noch am besten gefallen haben. Die Nähe zum Publikum scheint der Truppe besonders gut zu tun… oder vielleicht das kollektive „Ausknipsen“ am Vortag – wer weiß das schon? 😉

Auf der Rückfahrt wurde dann noch das letzte MadsenAlbum in den Player gelegt, der erneut drohende Hungertod bekämpft und dann glücklich und zufrieden bis zur nächtlichen Ankunft in Cuxhaven geschlummert.

Das MÜSSEN ALLE MIT FESTIVAL 2017 war also ein gelungener Familienausflug mit viel Spaß, tollen Bands und einem wunderbaren Veranstalter-Team das erneut ein Familienfest aus den Beine gestampft hat, was seinen Namen verdient – vielen Dank dafür!

Für nächstes Jahr wünschen wir uns erneut viele geile Bands, so entspannte und fröhliche Besucher, leckeres Essen sowie ein solch wunderbares Wetter wie dieses Jahr – und sollten die Madsens dann auch wieder zugegen sein… eure beiden „größten kleinen“ Fans würden sich immer noch auf ein Foto mit euch freuen! 😉

Hier geht’s noch zur Homepage der Veranstaltung!

Und hier zu den Bands:

MADSENDIE STERNESCHNIPO SCHRANKESOOKEELOCAS IN LOVELAKEODD COUPLE