Alice Cooper @Waldbühne Northeim, 22.06.2024

Es gibt so Bands und Musiker, die doppelt so lange dabei sind, wie einige von unseren Redakteuren alt sind. Alice Cooper ist einer davon. Und für mich persönlich kam vor allem Punk, Hardcore, Folk und Co. Alice Cooper mit dem kompletten Horrorpaket. Vermutlich kam daher auch irgendwann der Hang zu düsteren Filmen. Selbst als Alice Cooper eher seltener in meinem Leben eine Rolle spielte. Aber es war der Alice-Cooper-Patch und das Shirt, das als erstes Merchandise mit 11/12 Jahren bei mir einzog.  Genau wie haufenweise Platten, die ich Trottel irgendwann verkauft habe und nun teuer wieder einkaufen muss. Sehr zum Ärger meiner Eltern übrigens, da Vincent Damen Furnier, sobald er seine Rolle einnimmt, eine Menge Horror-Kitsch im Gepäck hat.

So kam es dann nach vielen Jahren, dass Alice Cooper mit Band ausgerechnet in der Nähe meiner Geburtsstadt und viel wichtiger, dem Dorf meiner Jugend eine Show spielte. Ob ich quer durch die Republik gefahren wäre, wenn es eine andere Venue gewesen wäre, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber so ging es dann gestern mit Freunden aus der Jugend zu dem Mann, der unser Leben lang immer mal wieder Thema war: Alice Cooper auf der Waldbühne Northeim.

Wir sind älter, daher sind wir pflichtbewusst früh angereist und haben uns schonmal einen Überblick über das Publikum machen können. Denn der Parkplatz mitten in der Stadt war schon gut gefüllt. Ja, es waren viele Menschen Ü40 und teilweise weit darüber vor Ort. Aber überraschenderweise auch viele junge Metalfans. Keine Ahnung ob da “Stranger Things” und die Retrowelle eine Rolle spielen. Aber endlich mal ein Trend den ich mag, auch wenn ich mir keinen Schnurri mehr zulegen würde. Auffallend war übrigens wie oft man mehrere Generationen von Familien sah, die zusammen auf eine Alice-Cooper-Show gegangen sind. Mutter, Vater, Kind und teilweise Enkel mit Bandmerch sieht man nicht so oft bei Konzerten. Auch wir hatten 3 Generationen im Gepäck.

Kommen wir zur Location. Die Waldbühne ist eine großartige Location mit Wald (ja, sagt der Name schon) drumrum und Platz für 7000 Leute, die auch da waren. Trotz vollem “Haus” war das Gedränge aber auszuhalten. Man konnte sich auch direkt mal aus dem Weg gehen, was sehr angenehm war.

Vom Support, Black Mirrors aus Belgien, habe ich nicht wirklich viel mitbekommen. Fotos waren bei dieser Show sehr reglementiert, so dass ich auch beim Support nicht im Graben war. Aus der Ferne hörte es sich wie solider Rock mit symphytischer Frontfrau an. Die Vergleiche der Promoabteilung “Idles, Courtney Love…” habe ich im Vorfeld nicht ganz unter einen Hut gebracht und hier auch nicht wiedergefunden. Aber ich denke bei einer Clubshow werde ich mir die Black Mirrors nochmal genauer angucken.

Um Punkt 20.15 Uhr ging es dann mit Alice Cooper los und was soll ich sagen. Wir hatten hier etwa 100 Minuten klassische Rockshow, die mich teilweise echt überrascht hat. Die Energie die ein Alice Cooper mit seinen 76 Jahren auf die Bühne bringt, ist echt wild. Klar, Breakdance gibt es hier nicht, aber die Akrobatik übernahm die Saiten-Fraktion wie Nita Straus und Hollywood Vampires-Kollege Tommy Henriksen.

Wir hatten auf der Setlist alles im Gepäck. Die Songs die jeder Mensch kennt wie “Poison” und “Schools Out” (als Rausschmeißer), aber auch die Songs auf die alle Fans warten, wie “Hey Stoopid” und “Billion Dollar Babys”.

Mich persönlich hat vor allem die Liveversion von “He’s Back” umgehauen, weil das Original als Soundtrack für “Freitag der 13.” eine eher Cooper-ungewöhnliche Popnummer ist und live mit den großartigen Gitarren nochmal ganz anders zu gefallen weiß.

Natürlich durfte auch die übliche Show nicht fehlen, die Alice Cooper damals den Titel “Shock Rocker” einbrachte. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass hier nichts geschockt hat, aber das übergroße Monster bei “Feed my Frankenstein” und die klassische Guillotine zu “Ballad of Dwight Fry” gehören irgendwie dazu und sind für den Kultfaktor schon nicht unwichtig.

Vermutlich wegen genau dieser Showelemente, von denen es anscheinend keine professionellen Fotos geben soll, hatte ich nach Jahren auch eine Premiere. Die Fotografen hatten die Wahl ihre Kameras nach den provisorischen drei Songs im Graben in Verwahrung der Securitys zu geben oder das Konzert zu verlassen. Das habe ich so auch noch nicht erlebt und muss es hoffentlich auch nicht wieder, da man den teuren Kram ungern außer Sichtweite hat bei so vielen Menschen. Aber es ist alles gutgegangen. Und als Fan konnte ich mir die Show nicht entgehen lassen. Am Ende bleibt zu dem Thema nur, dass mich die Handys vor der Nase wesentlich mehr gestört haben, als ich es mit der Kamera überhaupt könnte. Also kein Jugendproblem der Handyscheiß bei Konzerten.

Haben sich 660 Kilometer und Rückenschmerzen gelohnt? Auf jeden Fall. Und mit Rückenschmerzen bleibe ich bei dem Altersdurchschnitt wohl auch nicht alleine heute. Nur das es bei mir am Rucksack lag. Fazit: Alice Cooper kann es noch! Und wie!

 

 

Bilder: Sven Hoppmann // Finger weg! 🙂