Über die Alex Mofa Gang bin ich mehr oder weniger zufällig gestolpert. Irgendwann zu Beginn des letzten Jahres tauchten sie in meiner Timeline auf. Nicht nur die Namensgleichheit zu mir sondern auch der Umstand, dass ich mich direkt daran erinnert fühlte, wie ich mit 16 auf meinem Roller zu Konzerten fuhr (und ja, wir waren sau cool damals), machten mich neugierig.

Das Debüt-Album haute mich dann auch direkt von den Socken. Wochen lang lief es jeden Morgen rauf und runter und auch heute noch wandern viele der Songs in meine Playlist. Das Album war viel mehr als eine Aneinanderreihung von Songs. Es sind einzelne Geschichten, die zusammen „die Reise zum Mittelmaß der Erde“ erzählen.

Es ist nicht verwunderlich, dass ich ganz ungeduldig war, seit dem das neue Album „Perspektiven“ angekündigt wurde. Direkt malte ich mir aus, was wir wohl zu erwarten hätten. Welche Perspektiven und Blickwinkel werden uns die fünf Jungs aus Berlin wohl aufzeigen?

Ich glaube kein Album einer Band hat es so schwer potentiellen Erwartungen zu genügen wie das Zweite. Ein Debüt-Album mag man, oder eben nicht und somit auch die Band. Hat man sich aber erstmal in die Band und ihr Erstlingswerk verguckt, erwartet man beim Nachfolger viel und man kommt nicht daran vorbei den kleinen mit dem großen Bruder zu vergleichen.

In Summe wirkt das neue Werk entschleunigter und langsamer als sein Vorgänger.

Los geht es aber erstmal etwas lauter mit dem Song „Roboter“ und der Frage nach dem Sinn des Lebens und der Flucht aus der Eintönigkeit.

Weiter geht es mit einem Hilferuf: „S.O.S“. Hier scheinen Musik und Text irgendwie im Gegensatz zueinander zu stehen. Während uns direkt zu Beginn ein fröhliches, ja fast NDW-artiges Keyboard begrüßt, welches uns im Refrain wieder besucht, erzählt der Text vom verloren sein und dem damit verbunden verloren gehen einer Liebe. Vielleicht sind genau diese Gegensätze die unterschiedlichen „Perspektiven“, die uns die Alex Mofa Gang aufzeigen möchte, denn der folgenden Song „Du bist die Nacht“ begegnet uns dieses Motiv wieder.

Instrumental eher fröhlich liefert uns der Text eine negative Liebeserklärung und erzählt von einem Paar das irgendwie nicht ganz zusammen zu passen scheint und trotzdem nicht die Finger voneinander lassen kann: „Du bist der Rauch in Meiner Lunge, wie Kokain in meinem Blut. Du bist der Schnaps auf meiner Zunge. Ey, du tust mir nicht gut!“.

Mit „Kein Wort“ folgt ein Song, der sich etwas von den anderen absetzt. Diesmal geht es nicht um erfüllte Lieben und die innere Zerrissenheit, sondern um einen Aufruf nicht zu Schweigen bei all dem Dreck, der in unserer Welt passiert. Ein Motiv welches sich bei nahezu jeder Punkband in einem Song wiederfindet. Dennoch ist dieses Lied hier besonders. Es liefert nicht nur eine dumpfe bekomm-deinen-Arsch-hoch-Parole sondern beschreibt die Hilflosigkeit, die einen leider oft genug davon abhält den Mund aufzumachen. „Wenn wir die Guten sind, dann wir zu leise“. Das Fehlen des überlegenen moralischen Ich-Motives gefällt mir an dieser Stelle sehr. Ist es doch weitaus ehrlicher als ein aufgepeitschter Wir-gegen-Die-Song.

An fünfter Stelle folgt der aus meiner Sicht beste Song von „Perspektiven“.

„AC-DC“ widmet sich wieder dem Motiv zweier Liebenden, die doch nicht so wirklich zusammen zu funktionieren scheinen, eben wie Wechsel- und Gleichstrom. Dieser Song liefert auch die beste Textzeile des Albums: „ Wir sind wie AC und DC, du bist mein Heim- und ich dein Fernweh“. Schöner kann man gegensätzliche Ansichten, die eine Liebe verhindern wohl nicht beschreiben.


„Montevideo“ hab ich nicht wirklich verstanden. Ist es eine Liebeserklärung an die Hauptstadt von Uruguay oder doch eine Anspielung auf einen One-Night-Stand? Ich bin nicht dahinter gekommen. Also schnell weiter zum nächsten.

„Mehr! Mehr! Mehr“ hat nicht nur drei Ausrufezeichen im Titel sondern noch viel mehr im Song selbst. Das Lied beginnt schneller, rockiger und punkiger als der Rest. Genauso schnell wie es startet, ist er aber auch schon leider vorbei. Nur 1 Minute und 34 Sekunden ist das Stück lang. Aber vielleicht gerade deswegen bildet er einen lauten und wilden Kontrast zum Beginn des Albums. Bis hierhin hätte ich gerne mehr davon gehabt, so wie ich es vom Vorgängeralbum gewohnt war. Ab hier nimmt das Album mehr Fahrt auf.

 

Der achte Song „Holiday In“ startet mit Bläsern skalastig, die sich im Laufe des Songs zu einer mondänen Begleitung auswachsen und das Ganze fast zu einem Swing-Song machen. Das Lied entführt uns in eine Liaison die geprägt ist von Fernweh und Realitätsverlust.

„Schlaf dich erstmal aus“ ruft mir den Albumtitel wieder ins Gedächtnis. Ein schneller, lauter Song über das Fremdgehen bei dem man dem betrogenen Protagonisten eigentlich ins Gesicht schreien will: „Sei nicht so eine Pussy und wirf die alte raus.“ Die Band zeigt uns hier aber eine andere Perspektive auf, die zum Nachdenken anregt.

Weiter geht es mit „Giganten“, einer Ode an das Auf und Ab in einer Beziehung. Dem schließt sich ein weiterer, kraftvoller Song an. „Der Soziopath“ kommt stellenweise aggressiver daher. Ich finde, das steht der Band sehr gut.

Das Album endet mit „Vorsicht Glas“ und entführt uns in eine kaputte Psyche.

Hat „Perspektiven“ also die Erwartungen erfüllt, die ich im Vorfeld hatte? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Auf den ersten Blick wirkt es weniger fesselnd als das Debüt. Der bekannte rote Faden will sich einfach nicht so deutlich zeigen und das Leitmotiv der unterschiedlichen Perspektiven scheint sich nicht so richtig erkennbar. Das Album lässt mich mit offenen Fragen zurück und löst Unruhe in mir aus, eben wie ein gutes Buch. Vielleicht macht es das gerade deswegen gut, obwohl die erste Erwartung nicht erfüllt wurde? Auf jeden Fall muss man sich Länger damit auseinander setzen und eine andere Perspektive einnehmen. Zeigt sich insbesondere hier das Leitmotiv? Nicht in den Songs, sondern im Werk an sich, der Auseinandersetzung damit und den eigenen Erwartungen die man in ein Album Nummer Zwei hat? Oder zeigt uns die Band hier einfach eine andere Perspektive auf sich selbst?

Eins sei an der Stelle noch angemerkt. Ich will so einen großen Alex Mofa Gang Aufnäher für meine Jeansjacke und mir dann eine Vespa kaufen. Also auf Jungs, rein damit in den Merchshop.

 

„Perspektiven“ erscheint am 06.10.217. Wer die Jungs live erleben möchte, hat an folgenden Terminen die Möglichkeit dazu:

 

  • 06.10.2017 CH-Zürich, X-TRA / mit Guano Apes
  • 08.10.2017 München, Backstage / mit Guano Apes
  • 09.10.2017 Stuttgart, LKA / mit Guano Apes
  • 11.10.2017 Dortmund, FZW / mit Guano Apes
  • 13.10.2017 Köln, E-Werk / mit Guano Apes
  • 15.10.2017 Frankfurt, Batschkapp / mit Guano Apes
  • 18.10.2017 Saarbrücken, Garage / mit Guano Apes
  • 20.10.2017 Hannover, Capitol / mit Guano Apes
  • 21.10.2017 Hamburg, Große Freiheit 36 / mit Guano Apes
  • 27.10.2017 CZ-Prag, Meet Factory / mit Guano Apes
  • 29.10.2017 A-Wien, Ottakringer / mit Guano Apes
  • 02.11.2017 Berlin, Huxleys / mit Guano Apes
  • 03.11.2017 Leipzig, Haus Auensee / mit Guano Apes
  • 05.11.2017 NL-Amsterdam, Melkweg / mit Guano Apes
  • 30.11.2017 Saarbrücken, Kl. Klub
  • 01.12.2017 München, Milla
  • 02.12.2017 Köln, Artheater
  • 07.12.2017 Hamburg, Molotow
  • 08.12.2017 Braunschweig, B58
  • 09.12.2017 Erlangen, E-Werk
  • 12.12.2017 Dortmund, FZW Club
  • 13.12.2017 Wiesbaden, Kesselhaus
  • 15.12.2017 Kassel, K19
  • 16.12.2017 Cottbus, Bebel
  • 18.01.2018 Karlsruhe, Substage Café
  • 19.01.2018 Dresden, Groovestation
  • 20.01.2018 Berlin, Lido
  • 25.01.2018 Stuttgart, Goldmarks
  • 26.01.2018 Jena, Kassablanca
  • 27.01.2018 Hannover, Lux
Alex Mofa Gang - Perspektiven (People Like You Records, 06.10.2017)
3.8Gesamtwertung