Von Mittwoch bis Samstag stand die vierte Ausgabe des A SUMMER’S TALE im niedersächsischen Luhmühlen an und trotz solch nerviger Angelegenheiten wie Arbeit haben wir es zumindest für zwei Tage auf dieses „etwas andere“, aber – vielleicht auch gerade deshalb – echt wunderbare Festival geschafft.

Da sich unser Handwritten-Nachwuchs dieses Mal nicht davon abhalten ließ uns zu begleiten – sollten doch deren Lieblingsbands Madness und die Editors aufspielen – so besorgten wir kurzerhand ein Zelt und das entsprechende Equipment und machten uns Freitagmittag schnell auf den Weg in die Lüneburger Heide. Besonders spannend war hierbei, wie die Kids mit der ersten „Camping-Aktion“ ihrer noch jungen Festival-Karriere klarkommen würden.

Am Nachmittag am Crew-Camp angekommen, ging es dann nach dem Aufbau zeitig zur Bändchen-Vergabe, wo es dann jedoch leichte Schwierigkeiten mit den gebuchten Kinder-Tickets geben sollte.  Leider sollte es so lange dauern bis unsere Buchung endlich gefunden wurde, dass wir die ersten vier Songs des Kettcar-Gigs auf der Konzertbühne nicht mehr mitbekamen und somit mit Konzert-Fotos dann leider auch „Essig“ war.

Leicht verärgert gönnten wir uns jedoch noch den Rest des Gigs und nachdem Kettcar mit „Money left to burn“, „Der Tag wird kommen“ oder „Balkon gegenüber“ wieder eine geile Nummer nach der anderen zum Besten gaben, konnte man schnell über diesen kleinen Fauxpas hinweg sehen – gut, dass wir die Herren Wiebusch und Co. erst vor zwei Wochen beim Deichbrand-Festival gesehen hatten!

Nach dem Gig und einem Zug über das Gelände ging es dann direkt in den Kinderbereich, wo unzählige Spielangebote und Aktionen zum Verweilen einluden, sodass wir die Klänge der Hothouse Flowers im ZeltRaum nur aus der Ferne mitbekamen, Songs wie „Don’t Go“ oder „I Can See Clearly Now“ aber dem Applause nach zu urteilen durchaus gut ankamen – meine Güte, lang lang ist’s her, dass die Iren hiermit weltweit Erfolge feierten.

Nach Grizzly Bear, die ebenfalls das Zelt mit ihrem zeitlosen Indie-Rock beschallten, ging es dann zur Konzertbühne, wo Justin Sullivan und seine New Model Army auf uns wartete, um einen Querschnitt aus über 35 Jahren Musikgeschichte zu kredenzen. Beginnend mit Songs des aktuellen Albums „WINTER“, gab es dann mit Nummern wie „51st State„, „No Rest, „I love the World“, oder „Vagabonds“ eine Rock-Hymne nach der anderen – und scheinbar hatten an dem Tag alle ordentlich Bock, denn ich habe schon weniger druckvolle Auftritte der Briten gesehen.

Das absolute Highlight des Tages brachte dann aber gegen 22:30 Uhr der Gig von Madness, welche schon beim Opener „One Step Beyond“ so dermaßen Gas gaben, dass die vor der Bühne zahlreich aufgetauchte Meute sofort auf Betriebstemperatur war und jeden der folgenden Songs kategorisch abfeierte. So wurden Nummern wie „House of Fun„, „Madness“, „Baggy Trousers“ oder „Embarrassment“ und „Lovestruck“ zum Besten gegeben… und schlussendlich – viel zu früh – über „It must be Love“ das große Finale mit dem „Night Boat to Cairo“ zelebriert.

Gut 1 ½ Stunden wurde getanzt, gelacht, geflirtet (siehe Fotos), gesungen und der „Nutty Sound“ von Madness abgefeiert – von der Spielfreude und der Intensität, der doch schon ein wenig betagten Briten, könnte sich so manch junge Band gerne noch ein bis drei Scheiben abschneiden.

Schnellstmöglich sollte es nun mit den müden – aber durchaus glücklichen – Kids in Richtung Crew-Camp gehen… war doch klar, dass die Nacht wahrscheinlich nicht besonders lang und der nächste Tag dafür umso länger werden würde.

Der nächste Tag startete dann zwar mit der Hiobsbotschaft, dass Dana über Nacht so dermaßen krank geworden war (ja, das geht auch trotz über 30°C – fragt mich nicht wie), dass wir sogar sofort gefahren wären, wenn nicht der Gig der Editors am Abend noch auf dem Programm gestanden hätte – und bei fünf Fans muss man dann auch mal weit über seine Grenzen hinaus gehen. Dass sich dieser übermenschliche Einsatz wieder einmal gelohnt hat, davon gleich noch
mehr!

Recht reduziert verbrachten wir dann den Tag hauptsächlich im Zeit Leo Festival-Zelt und beim Zwergstadt Spielmobil, besuchten die Zirkusschule und Fynn Kliemann mit seiner Kreativ-Kutsche und gönnten uns ein paar Minuten von Mälzers Festival Kitchen… bevor wir hungrig bei den Tönen des Hamburger Kneipenchors den kulinarischen Genüssen frönten.

Frisch gestärkt ging’s zur Waldbühne und zu Reggehase Boooo, der den jüngeren und kleinen Festivalbesuchern einheizte, bei unseren drei Mitstreitern aber doch auf relativ wenig Gegenliebe stieß.

Über das Zwergstadt Spielmobil und die Klänge von Tall Heights ging es dann erstmals an dem Tag zur Konzertbühne, wo Torpus & The Art Directors ihren zeitlosen Indie-Folk spielten und die anwesenden Musikfreunde nun schon einmal langsam auf die drei Höhepunkte des letzten Festivaltages, die Gigs der Editors, von Tocotronic und den Headlinern von Fury in the Slaughterhouse einstimmte.

Dank unserer umweltbewussten Kinder haben wir uns dann während des Gigs von Oh Wonder beim WWF Design Thinking Workshop ausgetobt und nebenan geschaut, wie es gerade um das – gar nicht mal so – Ewige Eis der Arktis gestellt ist. Leute, da kann einem echt Angst und Bange werden!

Da sich die Meute aufgrund der Drum- und Bläser-Sounds mit Kopfschmerzen, Fieber und Schnupfen nicht besonders empfiehlt, warteten wir dann geduldig vor der Konzertbühne auf Tom Smith und den Rest der Editors, die um Punkt 20:00 Uhr unter tosendem Beifall die Bühne betraten. Gut gelaunt und mit mächtig viel Druck ging es mit „Cold“ direkt zur Sache und die ansprechende Mischung aus Post-Punk und Synthie-Balladen kamen wieder einmal wunderbar beim Publikum an. Ob es nun „No Harm„, „The Racing Rats“ oder „Violence“ war, jeder Song wurde kollektiv mitgesungen und besonders Toms Verrenkungen machten das Ganze zu einem ganz besonderen Erlebnis für Jung und Alt. Neben Nummern wie „Halleluja (SoLow)“ und „An End has a Start“ wurde auch „Darkness at the Door“ zelebriert und über „Papillon“ fand der – ebenfalls natürlich viel zu kurze – Auftritt mit „Magazine“ sein phantastisches Ende.

Wild schwärmend zog es uns dann krankheitsbedingt – leider ohne noch den Auftritten von Tocotronic und Fury in the Slaughterhouse folgen zu können – direkt zum Wagen, um den Heimweg an die Küste anzutreten… wo dann gut 2 ½ Stunden später zwei wunderbare Festival-Tage ihr Ende fanden.

 

Mein Fazit des A SUMMER’S TALE 2018 fällt – bis auf das Problem mit den Tickets und der leichten Orientierungslosigkeit bei den Ordnern im Crew-Camp Bereich – durchweg positiv aus!

Besonders die Tatsache, dass der Eintrittspreis für Kinder reduziert war und sogar bei der Verköstigung günstigere Preise für den „kleinen Hunger“ aufgerufen wurde, macht das Festival besonders für kinderreiche Familien durchaus attraktiv.

Apropos Essen… ob Crêpes, Burger, Raclette, Pizza oder Gnocchis, hier war für jeden etwas dabei und es wurde großer Wert darauf gelegt, dass die angebotenen Produkte aus der Region stammten.

Die ausgewogene Mischung aus Spiel, Spaß und Spannung bzw. Mitmach-Aktionen, Vorträgen und Musik, lässt kaum Wünsche offen – und ganz besonders die vielen Organisationen, wie z.B. Greenpeace, Viva con Agua, oder der WWF haben unsere Kids nachhaltig begeistert.

Das Gelände war wunderbar weiträumig und die 13.000 Besucher (übrigens ein neuer Besucher-Rekord) fielen so überhaupt nicht auf – selbst bei den gut besuchten Auftritten auf der Konzertbühne war immer genügend Platz, sodass selbst die kleinen Besucher eine gute Sicht auf die Bands hatten.

Gerne kommen wir daher im nächsten Sommer wieder… der Handwritten-Nachwuchs hat uns quasi direkt ein Versprechen abgerungen – und ja okay… dann auch mit Family-Yoga, Kanufahrt und Fledermaus-Wanderung… versprochen! Dann versuchen wir aber alle Tage vor Ort zu sein, da wir ja in diesem Jahr doch leider einiges verpasst haben, wie zum Beispiel die Gigs von Rob Lynch, The Lion & The Wolf, Gisbert zu Knyphausen, oder auch die Schweden von Mando Diao, die mich aber leider beim Deichbrand-Festival so gar nicht überzeugen konnten.

Vielen Dank auch allen Helfern und den Leuten von FKP-Scorpio, die hier in den letzten Jahren einen phantastischen Familien-Event in die Festival-Landschaft integriert haben – und auch wenn wirtschaftliche Gründe immer auch ein Thema sind, lasst das A SUMMER’S TALE nach Möglichkeit nicht noch viel größer werden, gerade der überschaubare und familiäre Charakter würde bestimmt dabei verloren gehen!

Wir sehen uns vom 01. bis 04.08.2019 beim A SUMMER’S TALE 2019… die ersten Tickets für nächstes Jahr gibt es ab sofort auf der Hompage des Veranstalters.

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