Brian Marquis war bis 2010 in der Kapelle Therefore I Am tätig. Nachdem die Band sich auflöste, konzentrierte sich der Bostoner Musiker und Mitbegründer der „Acoustic Basement Stage“ auf der „Vans Warped Tour“ auf eine Solokarriere und einem damit verbundenen Folk- und Americana-lastigeren Sound. 2014 veröffentlichte er dann mit „Blood And Spirits“ sein Debüt auf Equal Vision Records, gefolgt von einer EP namens „I Miss The 90s“ im letzten Jahr, auf der sich fünf ausgewählte Coverversionen von Größen Radiohead, Nirvana oder auch Weezer wiederfinden. Wir haben es zwar nicht zu einer seiner Shows der ersten, ausgedehnten Europa-Tour geschafft, dafür war der Mann aus Boston aber so nett uns einige Fragen via Mail zu beantworten.

Björn:
Hey Brian, danke, dass du uns einige Fragen per Mail beantwortest. Ich hoffe, dir geht es gut und du hattest schon eine Menge cooler Shows auf dieser Tour?

Brian:
Ich fühle mich ziemlich gut nach 13 Shows am Stück in 3 verschiedenen Ländern. Es hat viel Spaß gemacht und die Leute sind überall wirklich freundlich gewesen.

Björn:
Was ist dein Rezept gegen Langeweile auf Tour?

Brian:
Ich versuche immer, historische Stätten zu besuchen und so viel wie möglich draußen zu machen, da ich die meiste Zeit ja entweder im Van oder in Bars verbringe auf Tour. Ich freue mich auch immer wenn ich gute Cafés oder eine Brauerei entdecke.

Björn:
Was sind die Unterschiede, die Vor- und die Nachteile daran in einer Band zu spielen und Solo unterwegs zu sein?

Brian:
In einer Band geht es auf der Bühne oft energetischer zu und du hast dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit. Wenn du Solo bist muss das alles von dir alleine kommen. Dafür ist das Reisen allein wesentlich einfacher. Man hat nur leichtes Gepäck und braucht auch nur eine Couch. Eine Band irgendwo unterzubringen ist einfach aufwendiger. Wenn man mal einen schlechten Abend hat, kann man das wenigstens mit den Bandkollegen teilen, auf einer Solotour bleibt dir nichts anderes übrig als alleine den Frust zu ertränken haha.

Björn:
Du bist ja ein Bostoner: Wie ist deine Erinnerung an die Punk- und Hardcore-Szene, als du dort aufgewachsen bist?

Brian:
Massachusetts hatte schon immer eine sehr florierende Punk- und Hardcore-Szene. Bevor ich aus Connecticut nach Boston zog, bin ich vorher schon immer auf Shows dort gegangen und habe eine Reihe meiner Lieblingsbands dort gesehen, wie zum Beispiel Converge oder Cave In. Das war der Anstoß, warum ich auch Teil dieser Szene sein wollte. Man sagt ja, dass die da was im Grundwasser haben, das all die großartigen Bands hervorbringt. Zwischen 97 und 02 war es einfach ein wunderbarer Ort für legendäre Shows in DIY-Läden, die mittlerweile lange dicht sind.

Björn:
Wo wir von der Jugendzeit sprechen: Gibt es bestimmte Bands oder Künstler, die dich auf bestimmte Art und Weise geprägt haben als du Jung warst und die vielleicht auch jetzt noch einen großen Einfluss auf dich haben?

Brian:
Nirvana
, Guns’n’Roses und Metallica waren die ersten drei Bands, die ich bewusst kennen gelernt habe und die mich zum Musik machen gebracht haben. Jede dieser drei Bands hat mich, auf ganz ihre eigene Art, dazu motiviert, Gitarre zu lernen und in Bands spielen zu wollen. Und ich höre mir ihre Alben heute immer noch an.

Björn:
Kannst du dich an deine früheste, musikalische Offenbarung erinnern? Wer, Wann, Wo?

Brian:
Mit einem Vater aufzuwachsen, der zuhause Folk und Blues gespielt hat und mir immer erzählt hat, ich könne in seinem Gitarrenkoffer sitzen und Mundharmonika spielen.

Björn:
Da du eine EP mit dem Titel „I Miss The 90s“ veröffentlicht hast liegt die Vermutung nahe, dass dir diese Ära sehr viel bedeutet. Was vermisst du am meisten an den 90ern? Und was ist dein Lieblingsalbum aus dieser Zeit?

Brian:
Die 90er erinnern mich einfach daran, was es für eine großartige Zeit war, um aufzuwachsen und Musik für sich zu entdecken. Wie alternative Musik zu einem Genre und einer Kultur wurde, in der es hervorragende Musikvideos auf MTV gab. CDs waren damals noch recht neu und es gab einfach so viele gute Bands. Nirvanas „Nevermind“ ist mein Lieblingsalbum aus dieser Zeit, aber Alice In Chains‚ „Dirt“ und Stone Temple Pilots‘ „Core“ rangieren auch ganz oben mit.

Björn:
Kannst du einen spezifischen, genialsten Moment deiner musikalischen Karriere definieren?

Brian:
Einen Slot als lokaler Act mit Therefore I Am auf der „Vans Warped Tour“ 2006 zu gewinnen ist mit Sicherheit einer meiner Lieblingsmomente. Wir hatten dafür so hart gearbeitet und es fühlte sich an, als ob diese Arbeit sich letztlich auszahlte.

Björn:
Was macht für dich eine gute Show aus? Sound, Konzerthalle, Publikum, Performance – was ist für dich am wichtigsten?

Brian:
Bei einer guten Show ist das Publikum genauso im Moment gefangen wie ich, mit einem Sound, der für beide Seiten gut klingt und so wenig Ablenkung wie möglich. Es gibt die besonderen Nächte, wenn du diese kinetische Energie, die von nichts übertroffen werden kann, spüren kannst.

Björn:
Hast du irgendwo ein Lieblingskonzerthaus auf dieser Welt? Und gibt es einen Ort, an dem du gern mal spielen würdest?

Brian:
Der beste Laden, in dem ich je gespielt habe, war das „The Gorge“ in Washington auf der Warped Tour 2009. Von unserer Bühne aus konnte man einen Canyon beim Sonnenuntergang überblicken. Einfach ein wunderschöner Ort unter freiem Himmel.

Ich würde gerne mal im „Red Rocks“ spielen, auch eine wunderschöne Open-Air-Venue.

Björn:
Was steht für dich als nächstes an nach dieser Tour?

Brian:
Sobald ich nach Hause komme werde ich Songs für meine nächste Platte fertig schreiben, bei der ich auch E-Gitarre spielen und von einer kompletten Band begleitet werde. Ich freue mich schon darauf, mich an die Arbeit zu machen.