Und schon geht es weiter mit den Wiederveröffentlichungen der alten Noise-Alben von Running Wild. Vor zwei Wochen waren die Alben Nr. 1 bis 5 dran, jetzt folgen die vier Platten, welche zwischen 1991 und 1995 erschienen sind. Damit befinden wir uns immer noch mitten in der stärksten Phase der Band um Rolf „Rock’n’Rolf“ Kasparek, die mit ihrem rustikalen Heavy Metal damals eine echte Hausnummer und eine äußerst verlässliche Größe war. Man wusste was einen beim Kauf einer Platte von Running Wild erwartet, und dass es gut sein wird.

Die Aufmachung ist dieselbe wie bei der ersten Rutsche. Die Platten kommen als handelsübliche Digipacks mit interessanten Linernotes im Booklet daher. Die Artworks wurden nicht „aufgefrischt“ oder sonst wie verschandelt. Der Sound wurde bedächtig remastert. Hier ist der Unterschied aber nicht mehr wirklich zu hören. Anfang der 90er war die Studiotechnik eben schon auf einem ziemlich hohen Stand. Zu jedem Studioalbum hat man ein paar Bonustracks gepackt, die aber in den wenigsten Fällen wirklich ein Kaufargument sind.

 

Mit was begannen die letzten Reviews der Running-Wild-Serie? Klar, mit den Besetzungswechseln. Das kann man sich dieses Mal sparen, denn „Masquerade“ wurde (genauso wie sein Nachfolger) tatsächlich von demselben Lineup eingespielt. Soweit, so gut. Das 1995 veröffentlichte Album war der Beginn einer losen Trilogie zum Thema „Gut und Böse“. Fortgesetzt wurde sie von „The Rivalry“ (der letzten durchgehend wirklich guten Platte der Band) und „Victory“ (Auftritt: „Angelo Sasso“).

War der Vorgänger „Black Hand Inn“ schon ein ziemlicher Klopper, schmiss man bei „Masquerade“ noch ein paar Kohlen mehr ins Feuer. Das Tempo wurde im Ganzen nämlich ein Stück erhöht und die rund 53-minütige Platte saust ganz schön rassig durch die Gehörgänge. Ansonsten klangen Running Wild einfach wieder nach Running Wild. Lässige Nummern gibt es hier genügend zu hören (z.B. „Black Soul“, „Lions Of The Sea“, „Underworld“, „Demonized“ oder den zackigen Titeltrack), aber der Überraschungseffekt ist nach all den Jahren und acht gutklassigen bis hervorragenden Alben doch weg.

Wirklich stört das aber nicht, denn „Masquerade“ macht Spaß, auch wenn es nicht an seinen starken Vorgänger heranreicht. Gleichzeitig war das Ding auch das Ende einer Ära. Denn Running Wild gingen in geschäftlicher Hinsicht denselben Weg, den vor ihnen schon ihre ehemaligen Labelkollegen Kreator, Rage und Grave Digger gingen. Man kehrte Noise den Rücken und unterschrieb bei der ebenfalls deutschen Firma GUN Records. Doch das ist eine Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden muss… In diesem Sinne: ahrrr!

Ach ja, auch „Masquerade“ bekam zwei Bonustracks spendiert. Diese sind aber wieder reichlich überflüssig, da es sich mal wieder um überarbeitete Versionen von 2003 handelt, die auf dem Best-Of-Album „20 Years In History“ zu finden waren.

 

Trackliste:
1. The Contract / The Crypts of Hades
2. Masquerade
3. Demonized
4. Black Soul
5. Lions of the Sea
6. Rebel at Heart
7. Wheel of Doom
8. Metalhead
9. Soleil Royal
10. Men in Black
11. Underworld
12. Lions of the Sea (2003 Reworked Version)
13. Black Soul (2003 Reworked Version)