Ich sehe eine Veranstaltung bei Facebook – Tim Vantol spielt in Essen. In Essen? Wo? Weststadthalle? Zeche Carl? Cafe Nord? Nein, irgendwo in einem Büro in Rüttenscheid. In einem Büro? Hä? Egal – Eintritt nur durch Gästeliste. Also nicht weiter nachgedacht, schnell eine Email an das collective.ruhr geschickt und zum Glück einen der wenigen Plätze ergattert, eh das Konzert nullkommanix dicht war. 50 Plätze waren, getreu dem Motto „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, in kürzester Zeit vergeben.

Nun aber zu diesem ominösen Büro, mitten in Essen, in dem es anscheinend gute Konzerte in netter Gesellschaft gibt. Das collective.ruhr ist ein Co-Working Space, betrieben von Surfcamp-Veranstalter, Betreibern einer Versicherung und Immobilienentwicklern. Aber nicht genug. Für die Mitbegründer Alex und Mimi „ist das collective.ruhr mehr als nur ein Platz zum Arbeiten. Aus diesem Grund haben wir die Overtime Sessions ins Leben gerufen. Die finden in regelmäßigen Abständen in unserem ‚Wohnzimmer‘ im collective.ruhr statt.“

Die Overtime Sessions fanden erstmals 2018 statt und öffnen seitdem ihre Tore für Bands aus der Region und Musiker aus aller Welt: Für schöne Abende voll mit handgemachter Musik, in entspannter Atmosphäre und geselliger Runde! Alle Genres und Menschen sind willkommen und finden mit den Overtime Sessions einen unkomplizierten Ort, um neue Musik zu präsentieren und kennenzulernen. Die dritten Overtime Sessions spielte kein geringerer als Tim Vantol am vergangenen Dienstag im collective.ruhr: Tim Vantol – „der niederländische Rock-Troubadour aus Amsterdam begeistert sein stetig wachsendes Publikum schon seit Jahren mit der Art von Musik, die dazu einlädt, Platz auf dem Sozius zu nehmen, den Sturzhelm ins Gebüsch zu werfen und sich mal wieder so richtig lebendig zu fühlen. Seine Songs sind voll von „roads“ und „homes“ und allem, was dazwischen liegt und die Reise so aufregend macht. Wer sich dabei an etwas festhalten möchte, kann das gut an Vantols Stimme tun, denn die ist ein stabiles, vertrauenswürdiges Exemplar und klingt in etwa so, wie es sich anfühlt, nach einem Bad in einem kühlen Bergsee von einem sonnengewärmten Handtuch abgetrocknet zu werden.“

Witzige Anekdote nebenbei. Gründer von drivethru und Overtime Sessions-Veranstalter Alex hat Tim Vantol bereits 2013 vor einem seiner Gigs in Stuttgart zufällig beim Grillen auf dem Konzertgelände kennen gelernt und ihn kurzerhand auf die vielleicht chaotischste Tour durch ein paar Surfcamps nach Frankreich gelotst. Der daraus entstandene Kontakt riss darauf nie ab und führte dazu, dass Tim nach Black Sea Dahu und North Alone der nun dritte Gast bei den Sessions wurde. Eine – wie ich finde – fantastische Sache.

Nun aber zum Konzert selbst: Tim, solo – nur mit seiner Gitarre vor maximal 50 Leuten im gemütlichen Ambiente. Mehr muss man eigentlich nicht sagen. Auch wenn die Umgebung erstmal ungewohnt war – Tim hatte Bock und legte sich ins Zeug. Alte Songs, neuere Songs, Coversongs, lustige Ansagen, Sprachunterricht in Niederländisch, Sing-alongs. Eigentlich blieben keine Wünsche offen. Auch diejenigen, die Tim bislang noch nie gesehen haben, schienen begeistert und zufrieden – diejenigen, die wussten, was sie erwartet sowieso. Die Möglichkeit, Tim in solch intimer Atmosphäre zu erleben, hat man ja nun nicht alle Tage. Ein wirklich gelungener Abend. Eine wirklich gelungene Overtime Session. Ich hoffe sehr, dass Mimi und Alex diese Konzertreihe noch lange weiterführen und bestenfalls daraus eine feste Institution in Essen und fürs Ruhrgebiet entsteht. Chapeau!