The Blue Poets sind das neue Baby von Marcus Deml. Deml, Kopf hinter der etwas experimentelleren Rockband Errorhead, Saitenvirtuose, Gitarrendozent und gut gebuchter Sessions-Musiker, kehrt hiermit nach zwei schweren Jahren wieder zu seinen Wurzeln zurück: bluesgetränktem, testosterongetriebenem Rock mit Wurzeln in den 70ern.

„Keine Mätzchen“ lautete dabei wohl auch das Motto. Denn das Debüt der Truppe wurde in kleiner, klassischer Rockband-Besetzung und vor allem auch live eingespielt. Man hört dabei regelrecht die an den Tag gelegte Spiellaune und den Schweiß, der dabei geflossen sein muss. Das namenlose Debüt der Blue Poets ist nämlich eine feurige Sache zwischen Classic und Blues Rock geworden.

Die Band spielt fantastisch. Allen voran natürlich Meistergitarrist Marcus Deml, mit einem Sound den man nur mit den ganzen großen wie Stevie Ray Vaughan, Gary Moore oder Joe Satriani vergleichen kann. Was er an knackigen Riffs und einfallsreichen Soli raushaut, ist schlicht und ergreifend mitreißend. Glücklicherweise ist er stets songdienlich unterwegs und macht keinen auf Gitarrengott – der er aber ist. Auf seine Rhythmusgruppe, die herrlich groovt und Löcher im Sound bestens stopft, kann er sich verlassen. Nur der australische Sänger Gordon Grey kann da nicht ganz mithalten. Er hat zwar eine bodenständige, angenehm warme Stimme, doch von der Band wirkt er immer irgendwie überrumpelt und seine Gesangslinien nicht immer besonders spannend.

Hier zählt aber das Gesamtbild, und das ist stark. Egal ob zackig rockend („Too High“, „Won’t You Suffer“), lässig rollend („Goodbye“), locker flockig im traditionellen Bluesrock-Sound („It’a About Time“, „Sad, Sad, Sad“) oder auch in Form von melancholisch-balladesken Tönen („Alien Angel“) – die Blue Poets entpuppen sich auf jedem Gebiet als kompetent. Sogar eine überstrapazierte Nummer wie „Sunshine Of Your Love“ von Cream macht man sich als düster-laszive Nummer zu Eigen.

Mit dem ruhigen, emotionalen „With Your Eyes“ endet ein spannendes Rockalbum, das vor allem von seiner starken Performance lebt.

The Blue Poets - The Blue Poets

Trackliste:
1. Goodbye
2. Too High
3. Sad, Sad, Sad
4. Alien Angel
5. Sunshine Of Your Love
6. Shallow Words
7. It’s About Time
8. For A God
9. Won’t You Suffer
10. The Truth
11. With Your Eyes

The Blue Poets - The Blue Poets (Triple Coil Music, 09.09.2016)
4.0Gesamtwertung