Als Fußballfan weiß man bei dem Namen: hier muss es sich um einen Finnen handeln. Mir sagt der Name im Musikbereich allerdings rein gar nichts. In der Beschreibung, die mir von der Plattenfirma vorliegt, wird Tuominen als einer der besten Gitarristen weltweit angepriesen. Muss er auch sein, sonst hätte er keinen Endorsement-Deal mit so namhaften Herstellern wie Gibson Guitars und Mesa Boogie Amps. In Finnland ist er zumindest sehr bekannt. Er organisiert hier ein Festival namens GTR, bei dem namhafte finnische Gitarristen auftreten. In den 80er-Jahren war er Gitarrist bei der finnischen Metal-Band Outburst. Und 2002 ist er bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City mit seiner Jartse Tuominen Band aufgetreten.

Was dann so aus den Lautsprechern tönt, ist jedenfalls nicht von schlechten Eltern. Es liegt hier – wie man vielleicht bereits erwartet – ein reines Instrumentalalbum vor. Hier scheiden sich schon mal die Geister. Manche mögen solche Alben, manche eher nicht. Mir fehlt bei einem Instrumentalalbum halt immer der Gesang – aber das ist natürlich Geschmackssache.

Musikalisch macht der Finne alles richtig. Psychedelische, bluesige und jazzige Spielereien treffen auf eine hervorragend gespielte E-Gitarre. Die Melodien könnte ich mir mit einem Sänger eben noch besser vorstellen. Vom Gitarrenstil her erinnert er mich bei „Time To Go“ sehr an John Sykes (u.a. Thin Lizzy, Whitesnake), bei „Hybrid Fusion“ wiederum eher an Michael Schenker (U.F.O, Micheal Schenker Group). Und „Simppa Goes To Töysä“ (vermutlich das finnische „Bonzo Goes To Bitburg“) klingt sehr stark nach Steve Morse von Deep Purple. Auch bei den restlichen Songs hört man verschiedene Parallelen zu bekannten Gitarristen heraus, die dieses Album sehr interessant machen.

Dass er auch eine tolle Akustikgitarre beherrscht, zeigt sich beim Titelsong der Scheibe. Der Song könnte auch von Gary Moore sein. Was mir natürlich besonders gut gefällt ist die raue Hammondorgel, die im Hintergrund sägt. Was angenehm auffällt: Tuominen spielt immer zweckdienlich zum Song: Die Soli sind sehr gut, allerdings nicht nervig oder zugekleistert. Man kann sich neben der Gitarre immer noch bei jedem Song auf die weiteren Instrumente konzentrieren. Für mich eine hohe Qualität.

Die weiteren beteiligten Musiker sind in Finnland ebenfalls feste Größen und häufig gebuchte Studiomusiker. Tuominen soll in diesem Jahr auch für einige Konzerte nach Deutschland kommen. Für Gitarristen und Fans dieser Art von Musik sicherlich ein Muss.

Fazit: empfehlenswert! Voraussetzung: Man muss Instrumentalalben generell mögen und sich auf die Musik eine Weile einlassen. Einmal hören reicht hier nicht, die Songs wachsen definitiv mit der Zeit.

Jartse Tuominen - Untold Stories

Trackliste:
1. Extraordinary
2. Hybrid Fusion
3. Mesa
4. Time To Go
5. Simppa Goes To Töysä
6. Trouble Shuffle
7. Untold
8. Nine Lives
9. Yeah Right
10. Farewell

Gastautor: STEFAN GRASSL

Jartse Tuominen - Untold Stories (Sledgehammer/MiG, 18.03.2016)
4.0Gesamtwertung