Mit „Twang Twang“ erscheint dieser Tage das 8. Solo Album von Marceese aka Baby Kreuzberg. Nachdem ich mich vor kurzem von den Live Qualitäten des Berliners überzeugen konnte, war ich gespannt, wie die Songs dann in der Studio-Version klingen würden. Meine Erwartungen wurden erfüllt, die Mischung aus Country/Rock’n’Roll/Blues funktioniert auf Platte ebenso gut wie auf der Bühne. Hier und da schleicht sich manchmal noch eine surfige Gitarre in den Sound und bereichert den eh schon sehr abwechslungsreichen Stilmix noch zusätzlich. Durch den Einsatz eines alten Mikros bekommt der Gesang zusätzlich noch einen schönen LoFi-Vintageklang, was die Songs irgendwie nur noch authentischer macht. Bei manchen Stücken würde man nicht unbedingt drauf kommen, dass sie 2016 entstanden sind, sondern irgendwann zwischen den 50ern und 70ern.

Auf „Twang Twang“ befinden sich 13 Stücke, die thematisch vom Tour-Leben über eine Hommage an Berlin und verflossene Liebe bis hin zum netten Gruß an die dummen Nazi-Spacken („Please Fuck Off“) reichen. Alles also aus dem Leben gegriffen, wenn man als Musiker quasi ständig auf Tour ist und zwischen all der Reiselust auch irgendwann mal Heimweh nach Zuhause, nach Berlin verspürt, auch wenn Letzteres eher im Gewand einer Abrechnung mit den ganzen „Club Mate-nippenden Hipstern“ daherkommt, wie der Pressetext so schön verlauten lässt. Bei allen Songs wird Gitarrist und Sänger Marceese von Boerge am Schlagzeug und Alexander am Bass unterstützt, nur „Once Upon A Time“ kommt wirklich als reine Solonummer daher. Man merkt, dass die 3 wirklich gut zusammen funktionieren, die Songs rocken gut, verlieren nie den Groove und bleiben trotzdem erdig, wie guter Rock’n’Roll eben sein muss. „She-Devil“ ist da ein großartiges Beispiel für. Die Ausnahme zwischen all den knarzenden Rocknummern bildet das eben schon angesprochene „Once Upon A Time“, Marceese alleine, nur mit der Gitarre. Hier kommt der LoFi-Charakter richtig gut zur Geltung, man glaubt einen alten 50er Jahre Country Song zu hören, da passt auch das Thema der verflossenen Liebe ganz gut. „Be Ba Baby“ kommt schön swingend daher und erinnert wohl nicht ganz zufällig an die frühen Stray Cats. „Brown Eyed Gal“ bluesed sich direkt danach durch 4:16 Minuten und beweist erneut, wie abwechslungsreich das Repertoire von Baby Kreuzberg ist. Und man nimmt ihm wirklich jede einzelne Stilrichtung davon ab, nichts wirkt aufgesetzt oder erzwungen. Das wird Live übrigens nochmal verstärkt, wenn er einfach anfängt zu improvisieren und zwischen all den Blues-Klängen, Rock’n’Roll- und Country-Riffs auf einmal der „Imperial March“ aus Star Wars einsetzt…Verdammt gut würden die Songs auch unter einen Tarantino Streifen passen…

Jeder der gerne mal Rock’n’Roll, Rockabilly oder Country hört, sollte auf jeden Fall mal in „Twang Twang“ reinhören und sich Baby Kreuzberg auch gleich mal Live anschauen, so viel wie er auf Tour ist, sollte sich das bestimmt für Jeden ohne Weiteres machen lassen.

Baby Kreuzberg - Twang Twang

Baby Kreuzberg – Twang Twang

01. Every Dog Has His Day
02. Monkey Business
03. Ain’t No Texas Ranger
04. Dirty Street
05. These Three Words
06. Mababe
07. Once Upon A Time
08. She-Devil
09. #Asshole
10. 99mph
11. Be Ba Baby
12. Brown-Eyed Gal
13. These Chains

Baby Kreuzberg - Twang Twang (Timezone, 04.11.2016)
3.5Gesamtwertung